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03.09.2019

Wenn der Algorithmus wartet

Wenn der Algorithmus wartet

Mit den flexiblen Wartungsplänen von Scania zündet der schwedische LKW-Hersteller die nächste Evolutionsstufe im digitalen Werkstattservice. Das Modell arbeitet mit einem enorm effizienten Algorithmus, der für jedes Fahrzeug den optimalen Wartungsbedarf berechnet. Joachim Hepfer, Leiter Parts und Serviceverträge, Scania Deutschland Österreich, erklärt die Vorteile der vernetzten Dienstleistung und wie sie zur Erfolgsgeschichte von Scania Kunden beitragen kann.

Scania Wartung mit flexiblen Plänen nennen die Schweden das Modell zur Wartung von Scania LKW, das sie vor drei Jahren mit der neuen Scania Baureihe eingeführt haben. Verabschiedet sich Scania damit von der konventionellen Wartung?

Joachim Hepfer: Die Wartung mit flexiblen Plänen ist eine Alternative zur konventionellen Wartung. Diese geht von festen Wartungsintervallen aus, die sich in der Regel aus der Laufleistung des Fahrzeugs ergeben. Die Scania Werkstatt arbeitet in diesem Fall auf der Basis des Wartungsplans die einzelnen Aufgaben systematisch ab. Im Vergleich dazu ist die Wartung mit flexiblen Plänen ein Modell, das auf den tatsächlichen Wartungsbedarf eines Fahrzeugs zugeschnitten ist. Im Mittelpunkt steht hier der Nutzen unserer Kunden, die nur dann ihr Geld verdienen wenn ihr Fahrzeug auf der Straße ist. Wir möchten eine lange Betriebsdauer des Fahrzeugs sicherstellen, lange Wartungsintervalle und ein Minimum an Werkstattaufenthalten.

Wie flexibel ist denn die Wartung mit flexiblen Plänen?

Joachim Hepfer: Jeder Scania LKW hat seine eigenen Einsatzbedingungen. Ein Fahrzeug, das im Fernverkehr zum Einsatz kommt, hat einen anderen Wartungsbedarf als eines, das auf der Baustelle oder im Holztransport auf Achse ist. Eine Rolle spielen auch unterschiedliche klimatische Bedingungen, Nutzlasten und Topographien. Die Scania Wartung mit flexiblen Plänen ist so konzipiert, dass jedes Fahrzeug optimal und entsprechend seiner Einsatzbedingungen gewartet wird.

Das neue Wartungskonzept kommt ohne feste Serviceintervalle aus. Was steckt technisch dahinter?

Joachim Hepfer: Das Herzstück des Scania Wartungsprogramms ist ein von der Scania Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelter Algorithmus. Die technische Infrastruktur für die Scania Wartung mit flexiblen Plänen stellen mehr als 360.000 vernetzte Scania LKW, die regelmäßig ihre Betriebsdaten über das Scania Telematiksystem an die Zentrale in Södertälje übermitteln. Das sind Daten wie Laufleistung, Geschwindigkeit, Öl- und Motortemperatur, Kraftstoffverbrauch, Motorleerlauf und Gangwahl. Das System funktioniert letztlich auf der Grundlage von Big Data.

Der Algorithmus bestimmt also auf Basis der Betriebsdaten den Status von Getriebe und Motor, Flüssigkeiten und Filter für jedes einzelne Fahrzeug?

Joachim Hepfer: Es gibt rund 30 Module, für die das System auf der Grundlage der Daten jeweils eine Wartungsentscheidung treffen muss. Dabei entsteht ein individueller Wartungsplan, der für jede Komponente und für jedes Bauteil einen in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht optimalen Betrieb ermöglicht. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass das Programm die Ventileinstellung auf einen späteren Termin verschiebt und eine Wartung für einen Luftfilter vorzieht, weil beim nächsten Wartungstermin das Bauteil nicht mehr im optimalen Arbeitsbereich arbeiten würde.

Wie funktioniert die Kommunikation zwischen dem Wartungssystem und den Beteiligten in der Wartungskette?

Joachim Hepfer: Die Wartung mit flexiblen Plänen ist ein transparentes System. Spediteure und Transportunternehmer können im Scania Fleet-Management-Portal jederzeit den Wartungsstatus ihrer Fahrzeuge abrufen. Die Fahrer erhalten eine Nachricht auf ihrem Fahrzeugdisplay über die verbleibende Laufleistung ihres LKW bis zur anstehenden Wartung. Die Scania Werkstatt wiederum erhält mit einem Vorlauf von rund vier Wochen eine exakte Aufstellung der anstehenden Wartungsarbeiten. Der Kundenbetreuer der Werkstatt ruft dann direkt beim Disponenten oder Fuhrparkleiter an, informiert über Aufwand und Dauer der Wartung und vereinbart einen Termin für die Arbeiten.

Setzt die flexible Wartung eine gewisse digitale Affinität beim Kunden voraus? Und wie lässt sich das Modell in Anspruch nehmen?

Joachim Hepfer: Die Nachfrage nach unserem Wartungskonzept geht quer durch alle Unternehmen. Entscheidend ist weniger die digitale Affinität, sondern der handfeste Vorteil einer planbaren, transparenten und optimalen Wartung. Mit dem Abschluss eines Reparatur- und Wartungsvertrags erhalten Kunden die flexible Wartung ihrer Fahrzeuge. In der Transportbranche kommt das Modell gut an. In Deutschland und Österreich sind es bereits fast 10.500 Fahrzeuge, die nach flexiblen Plänen gewartet werden.

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